Sonntag, 11. Oktober 2009

Schlecht wie Halo 3, aber besser!?

Auf eines der besten Videospiele der Geschichte bin ich erst lange nach Erscheinung gestoßen. Was ich bei Halo 1 also leider verschlafen habe, holte ich schließlich beim zweiten Teil nach. Seit dem Release von Halo 2 spielte ich es nahezu täglich. Dies blieb so, bis einige Jahre später der letzte Teil der Trilogie erschien. Nach den mittlerweile unzähligen Stunden mit den ersten beiden Halo-Spielen, wurde es zur Pflicht, sich auch Halo 3 am Erscheinungstag zuzulegen.
Doch nach dem genialen Spielerlebnis des ersten und den passenden Verbesserungen im zweiten Halo-Spiel waren die Erwartungen gegenüber Teil 3 entsprechend hoch. Schnell war die Kampagne durchgespielt, doch merkte ich besonders in den anschließenden Mehrspieler-Duellen, dass vieles nur verschlimmbessert wurde. Ich komme bei Halo 3 vielleicht auf 20 Spielstunden - so viel, wie ich zu aktivsten Zeiten des zweiten Ablegers in zwei Wochen gespielt habe!

Eigentlich will ich in diesem Beitrag nun nicht zum 100. Mal auf die Halo-Spiele eingehen, vielmehr möchte ich die kleine Vorgeschichte als Einleitung auf den neuesten EA Sports-Titel nutzen. Würde ich nämlich die Wörter "Halo" durch "FIFA" ersetzen, bekäme man exakt meine derzeitige Meinung über das neueste FIFA 10.
Meine aktive FIFA-Videospielzeit habe ich damals auch erst lange nach Veröffentlichung des 2008er-Ablegers begonnen - die kurz angespielten Teile aus den Neunzigern, wo die Spielermodelle noch wie von PES 6 aussahen, zähle ich nun mal nicht dazu.
Wie bei Halo 1 bot mir auch FIFA 08 ein ganz neues Spielgefühl. An den jeweiligen Fortsetzungen, also Halo 2 und FIFA 09, wurde aber stark gearbeitet, sodass die Wertungen der Fachmagazine nochmal um einige Prozentpunkte in die Höhe sprießten. Kurz gesagt: Die sinnvollen Neuerungen führten zwangsläufig zu enormen Spielspaßsteigerungen.

Da weitere Neuerungen nur schwer zu ermöglichen waren, versuchten die Entwickler mit Hilfe der riesigen Communities für die jeweils aktuellsten Halo- und FIFA-Spiele die noch wenigen Schwächen auszumerzen und sogar in deren Stärken zu formen.
Was mir im Rahmen dieser versuchten Verbesserungen an Halo 3 nicht gefallen hat, habe ich hier schonmal erläutert - die Verbesserungen in FIFA 10 sind mir hingegen schleierhaft!

Zunächst hörte sich in der Presse alles Neue sehr sinnvoll an. So sollte das 360°-Dribbling für revolutionäre Ballkontrolle sorgen, das neue Passsystem für noch kontrollierteres Abspielen der schwarz-weißen Lederkugel und die KI der Torhüter und Schiedsrichter sollten dem Titel von EA Sports den letzten Feinschliff verleihen.



Dass man nun das 360°-Dribbling am Ball eher wenig spürt ist nur nebensächlich, schlimmer hingegen ist das damit verbundene "Rammsystem". In einem Zweikampf hat nun derjenige einen erheblichen Vorteil, der mit mehr Geschwindigkeit an den Ball kommt - also wie auf dem echten Fußballplatz. Für mich ist jedoch unverständlich, warum gelegentlich in einem Laufduell um das Leder plötzlich ein Spieler der beiden Kontrahenten (wie von einem Auto erfasst) beiseite geschleudert wird, der andere jedoch unbeschadet und in vollem Tempo weiter seinen Weg gen Tor fortsetzt. Vielleicht würde einem gar nicht auffallen, dass die Pfeife des Schiedsrichters in so einer Situation in der Regel stumm bleibt. Komisch ist allerdings, dass der Unparteiische bei einem identischen Laufduell ohne sichtbares Foulspiel gern mal in die Pfeife trötet. Zudem scheint die stolz angekündigte Verbesserung der Vorteilssituationen auch nur auf dem Papier zu existieren.



Das neue Passsystem hört sich im ersten Moment sinnvoll an, im Spiel habe ich damit aber so meine Probleme. Je länger man den Pass-Knopf gedrückt hält, desto weiter wird der Ball gespielt. Heißt also, dass ein Pass mit angetippten Knopfdruck automatisch zum nächst möglichen Mitspieler gepasst wird, bei halb aufgeladenem Schuss-Balken zu einem weiter entfernten Spieler. Klingt logisch, ist auch soweit gut umgesetzt. Mein Problem habe ich nun mit Druckpässen, die nun fast nicht mehr möglich sind. Möchte ich den Ball einem Spieler meiner Mannschaft, der unittelbar neben mir steht, mit einem starken Pass übergeben, weicht dieser gerne mal mit einer komischen Bewegung aus - teilweise auch, wenn hinter ihm nur ein Gegenspieler oder die Seitenlinie ist.

Schafft man es dann aber doch irgendwann durch geschicktes Passen und komplizierte Flanken vor das gegnerische Tor, wartet dort die neue künstliche Intelligenz der Torhüter auf einen. Die computergesteuerte Gegenspieler-KI reagiert meist souverän, fischt auch gerne mal die schon fast eingeschossenen Dinger aus dem Winkel. Schießt man irgendwann doch mal ein Tor, kommentieren Sebastian Hellmann und Tom Bayer (beide vom leider viel zu überteuerten Pay-TV-Sender Sky) meine Torjubel meist in Grund und Boden. Baut man in einer Druckphase des Gegners seine Führung zum wichtigen 3:1 aus und entscheidet somit das Match vorzeitig, sollten Torjubel erlaubt, ja vielleicht sogar erwünscht sein. Die Kommentatoren beschimpfen einen hingegen oft als unsportlich dem Rivalen gegenüber, weil die Führung mittlerweile ja ganz eindeutig wäre. Sowieso verwechselt das Duo viel zu oft Eckball, Abstoß und Einwurf - "Der Ball ist im Toraus...das gibt einen Abstoß!", lautet es häufig, doch anschließend zeigt der Referee zur Eckfahne.


Zurück zum Torhüter: Mein eigener Keeper scheint stets das Bedürfnis des Herauslaufens zu haben. Ein gegnerischer Konter läuft, der Torwart kommt ganz automatisch aus seinem Kasten herausgestürmt, um den Winkel zu verkürzen...soweit vollkommen richtig, wäre da nicht der Zeitpunkt, zu dem meine Nummer 1 aus dem Tor läuft. Der Ball hat meist erst die Mittellinie überquert, ist nicht einmal in der Nähe des Sechzehners, doch schon beginnt die Torhüter-KI zu reagieren. Logisch, dass solche Aktionen ein gefundenes Fressen für alle Stürmer mit Kenntnissen des Lumpfens sind. Ich möchte echt nicht wissen, wie oft der Computergegner wegen eben beschriebener Situationen schon jubeln durfte.

Weitere Kritikpunkte:

- schlechte Kommentatoren auf Deutsch, englisch nur für 80 MS-Points herunterladbar

- Laufbereitschaft der Mitspieler sowohl in Vorwärts- als auch in Rückwärtsbewegung nicht sehr hoch

- zwischen den Spielern lässt sich nur sehr hakelig wechseln


Ich möchte das Spiel aber auch nicht zu schlecht reden, denn mit dem neuen Live Season 2.0 wird FIFA 10 um einen sehr lobenswerten Spielmodus erweitert. Auch der neue Managermodus hat einige nette Verbesserungen erfahren.
Fakt ist allerdings, dass mich das neue FIFA trotz einer 90%-Wertung bei der GamePro und erstmaligem "Sieg" über Pro Evolution Soccer mit den vielen kleinen Fehlern (bzw. Kritikpunkten) sicher nicht so lange an den Bildschirm fesseln wird, wie das hervorragende FIFA 09, welches ich in einem Jahr über 92 Stunden (allein an meiner Konsole) gespielt habe. Dank der aktuellen Transfers und Trikots der Saison 2009/2010 wird man aber leider Jahr für Jahr zur neuesten Version der Serie gezwungen.

Auf folgendem Bild ist übrigens mein virtuelles Ich zu sehen, welches ich ganz rasch mit dem GameFace-Editor erstellt habe. Ein wenig kann ich mich darin sogar erkennen!



Und ich bin dann wieder auf dem grünen Platz anzufinden...auf dem grünen Golfplatz, denn Tiger Woods PGA Tour 10 auf der Wii hat bewiesen, dass auch eine 2010er Variante von EA Sports verdammt gut sein kann!


MfG
Christoph "Yaab" Lucassen

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