Mittwoch, 14. April 2010

Mein virtueller Gefängnisausbruch

Selten war ich bei einem Videospiel derart geteilter Meinung. Auf der einen Seite freute ich mich immer wieder zurück in das Gefängnis von Prison Break: The Conspiracy zu kehren, andererseits war der Abspann eine wahre Erleichterung.

Die Geschichte der TV-Serie sollte den meisten bekannt sein. Der große Bruder von Michael Scofield wartet im Gefängnis auf den Vollzug seiner Todesstrafe. Daraufhin begeht Michael wohlwissend ein Verbrechen, dass er selbst eine Haftstrafe im gleichen Gefängnis absitzen muss. Und von genau dort planen die Geschwister einen gemeinsamen Ausbruch.
Im Videospiel übernehmen wir allerdings die Rolle des Tom Paxton. Dieser wurde von der Geheimorganisation "Company" beauftragt, den Ausbruch letztlich zu verhindern.

Einleitend möchte ich ein Wort zur Grafik verlieren. Positiv fallen die Gesichter der Hauptcharaktere auf. Abgesehen von wenigen Ausnahmen erkennt man tatsächlich jeden Darsteller der Serie auch in seinem virtuellen Ich wieder. Auch der Wiedererkennungswert der Spielwelt ist bombastisch - das Fox River Staatsgefängnis wurde detailgetreu auf die DVD gepresst.
Abgesehen vom eben jenem Wiedererkennungswert ist die Grafik jedoch absolute Gülle! Am ehesten kann man sie mit der Optik des ersten Alarm für Cobra 11-Spieles von RTL Games vergleichen, das mehr einem schlechten 3D-Comic als einer ernsthaften Krimi-Serie glich.



Der Sound stimmt mich allerdings durchweg positiv. Ob nun die originalen Synchronstimmen der deutschen Serie oder der äußerst stimmungsvolle Soundtrack...genial! Wenn mich eines so richtig in die Spielwelt eintauchen ließ, dann war es die Akustik.

Spielerisch überzeugt The Conspiracy hingegen weniger. Sind die ersten Kletter- und Schleicheinlagen durch das Gefängnis noch spannend, merkt man schnell, dass diese zum spielerischen Alltag gehören und keineswegs von dem dummen Wachpersonal gefährdet werden. Ich finde es generell etwas schade, dass das Spiel auf solche unerlaubten Ausflüge ausgelegt ist. Musste Michael Scofield in der Serie noch all seinen Mut zusammennehmen, um sich mal aus seiner Gefängniszelle zu schleichen, begibt sich unser Held auch gerne mal nur in Lebensgefahr, um mittels einer Schleifmaschine (die zufälligerweise von dutzenden Wärtern bewacht wird) einen messerähnlichen Gegenstand anzufertigen, den er dann später eh verschenkt.
Anderes Beispiel: Paxton möchte in einen bestimmten Abschnitt des Gefängnisses gelangen, zu dem er allerdings keinerlei Zutritt hat. Kurzerhand schleicht sich unser Held in das Büro des Direktors, fertigt für dort einen Arbeitsauftrag für die hauseigenen Handwerker an und tritt dem Handwerkerteam schließlich bei. Voilà!



Das Videospiel kommt mit 9 Kapiteln daher, in denen jeweils zwei bis drei Missionen zu erfüllen sind. Heißt, jede der vielleicht 20 Mission führt uns in einen anderen Bereich des Gefängnisses.
In der TV-Serie waren die teils schlampigen Sicherheitsvorkehrungen schon unrealistisch, hier bekommt man im Laufe des Spieles jedoch das Gefühl, dass selbst ein Einkaufszentrum in einer friedlichen Kleinstadt besser gesichert wäre. Sogar der Gefängnishof, der für alle Insassen frei zugänglich ist, bietet unzählige Wege in verbotene Bereiche.

Nach schon etwa 6 Stunden laufen die Credits über den Bildschirm, was ich dem Spiel allerdings nicht schlecht anrechnen möchte. Ich bevorzuge sogar kurze Spiele - es hätte allerdings noch kürzer sein dürfen, denn die meist unspektakulären Expeditionen durch den Knast wiederholen sich ständig.

Letztlich wurde aus der Serienumsetzung aber ein für Fans recht zufriedenstellendes Videospiel, was mir persönlich sogar besser gefiel als Lost: Via Domus. Wenn man selbst jedoch nichts mit Prison Break anfangen kann, sollte man die Finger tunlichst davon lassen!


MfG
Christoph "Yaab" Lucassen

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