Freitag, 16. Juli 2010

Meine Abschlussübung der Grundausbildung

Um 2.00 Uhr in der Nacht ertönte plötzlich die Sirene. Ich sprang hellwach aus meinem Etagenbett und schaltete wie immer direkt nach dem Aufstehen das Licht ein, was den Ausbildern gar nicht gefiel. Es war Krieg!
Wir traten im mit Teelichtern ausgelegten Flur an; die aktuelle Lage wurde bei schummerigen Licht bekanntgegeben. Die bösen Kräfte aus Nordland marschierten in unser Heimatland, Südland, ein. An diesem Montag sollten letzte Ausbildungslücken in Form von Einzelprüfungen geschlossen werden, bis wir zum 40 Kilometer von der Kaserne entfernten Truppenübungsplatz am Langsee verlegen sollten.
Die Abschlussübung meiner Grundausbildung bei der Bundeswehr begann!

Es war ein dreitägiges Biwak angesetzt. Wie oben bereits erwähnt, wurden wir mitten in der Nacht geweckt. Die Ausbilder ließen uns nur 5 Minuten für die morgendliche Hygiene - also keine Zeit für eine letzte Dusche oder einen dringenden Toilettengang. Ungeduscht und mit einem beklemmenden Gefühl in der Anus-Gegend ging es bereits voll aufgerödelt in die Waffenkammer - das Gewehr G36, mein bester Freund!
Innerhalb des Kasernengeländes begannen in aller Herrgottsfrühe unsere Einzelprüfungen: Alarmposten, Karte/Kompass, ABC, Patrouille und das G36 waren die zu bestehenden Themen, die sich bis in die frühen Nachmittagstunden erstrecken sollten.

Da wir darauf als voll einsatzfähige Kräfte galten, mussten wir irgendwie an die Front gelangen, um unsere verbündeten Kräfte zu unterstützen. Wir marschierten nicht zu Fuß, fuhren nicht im Auto, sondern flogen im Helikopter. Ein Highlight meiner Grundausbildung, vom dem ich sicher noch in vielen Jahren erzählen werde.

Am Langsee angekommen mussten wir feststellen, dass wir auf der falschen Seite des Sees gelandet waren. Mit dem Schlauchboot ruderten wir über den schmalen See und marschierten anschließend etwa 7 Kilometer (durch Äste und Gebüsch) an unseren Verfügungsraum...mittlerweile war es 18.00 Uhr!
Immerhin: Nachdem wir fertig verpflegt und unsere sporadische Unterkunft eingerichtet hatten, konnten wir 3 Stunden ruhen.

Um 0.00 Uhr ging es dann per Kfz zu einem nahegelegenen Schießstand. Wir gingen davon aus, dass uns ein interessantes Nachtschießen erwartet, doch weit gefehlt! Nur wenige Meter vor Erreichen des Zieles wurde unser Transporter von feindlichen Kräften gestoppt. Sie zerrten uns aus dem Auto, nahmen mir meine Waffe und ließen uns wie in einem guten Terror-Film am Straßenrand (mit hinter dem Kopf verschränkten Armen) abhocken. Das war mal wieder so eine geniale Aktion, womit wirklich keiner rechnen konnte.
Das Ziel der Angreifer waren übrigens nicht wir, sondern die Entführung unserer Transportmittel. Heißt also, dass wir nun viele Kilometer von unserem ursprünglichen Platz der Gruppe entfernt waren und auch wieder dorthin zurückverlegen mussten - natürlich zu Fuß. Somit marschierten wir dann gute 5 Stunden durch die Nacht, sodass wir um etwa 6.00 Uhr in der Frühe unser Ziel erreichten und uns anschließend bis 10.00 Uhr ausruhen konnten.

Geweckt wurden wir von einem lauten Knall...es war ja Krieg!

Im Laufe des Dienstages bekamen wir diverse Aufträge, die schließlich alle in einem Marsch endeten. Mal gerieten wir in einen feindlichen Hinterhalt, auf einem anderen Marsch sollten wir ein Feldlager ausspähen.
Laufen, laufen, laufen...irgendwann schmerzten die Füße! Und an meine unerfahrenen Leser da draußen: Ein Kilometer auf der Straße ist bei weitem nicht so anstrengend, wie ein Kilometer über Felder und Wiesen.

Nach einer kurzen Ruhepause am Abend ging es um 23.00 Uhr mit vollem Gepäck auf den abschließenden 20-Kilometer-Marsch.
Vielleicht waren es die hohen Temperaturen oder die vielen Kilometer, die wir schon an den Vortagen marschiert sind, aber nach 7 bis 8 Kilometern fingen die Kameraden an, wie die Fliegen umzukippen. Der Zugführer entschloss daraufhin, dass der Marsch nicht weiter fortgesetzt werden sollte. Alle Gruppen sollten den Rückweg antreten, sodass wir insgesamt immerhin 15 Kilometer marschiert sind und um 6.00 Uhr des letzten Biwak-Tages schließlich das eigene Lager erreichten.

Nein, die Grundausbildung war wahrlich keine leichte Zeit, aber so viele großartigen Erlebnisse, wie ich sie in den letzten 3 Monaten erfahren durfte, hätte ich im Zivildienst sicher nie erlebt. Ich würde mich wahrscheinlich auch im nächsten Leben für den Grundwehrdienst entscheiden.

Und bevor ich es vergesse: Im Wald zu kacken ist gar nicht so schlimm. Einfach mit dem Klappspaten ein geeignetes Loch graben und ungeniert mit cremiger Masse füllen! :-P

MfG
Christoph "Yaab" Lucassen

Kommentare:

  1. Sehr geil Lucassen!
    Aber sag mal: HAST DU WIRKLICH IN DEN WALD GESCHISSEN??? Bei mit haben die Panzerkekse und Schokolade so gestopft das ich erst Donnerstag morgen wieder konnte :D

    MkG
    Christiansen

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  2. Männer, ihr vergesst die Mücken!

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  3. "Die Grundausbildung ist die bestes Zeit während des Dienstes bei der Bundeswehr. Diese drei Monate wirst du nie wieder vergessen. Egal ob positives oder negatives, Kamerad- und Freundschaft. Und immer würdest du es immer wieder machen wollen."

    HptGefr SirRam ;)

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  4. ich konnte es einfach nicht mehr aushalten... ^^

    und stimmt, die mücken waren der horror!

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  5. Jetzt fehlt aber noch die kameradschaftliche Geschichte um den Klau deiner Geldbörse. :P
    Außerdem ist es sicherlich interessant was so ein Abenteuerspielplatz gekostet hat.^^

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